Heute Gammelfleisch - morgen Gammelarznei?

Mit Ekel lesen wir in diesen Wochen die Berichte über den Gammelfleisch-Skandal. Ruinöser Preiswettbewerb im Lebensmittelhandel hat dazu geführt, dass Erträge offenbar nur noch zu erzielen sind, wenn minderwertiges Gammel-Fleisch verkauft wird.
Die "Geiz ist Geil" - Mentalität fordert ihre Opfer!

Was heute im Lebensmittelbereich abläuft, könnte morgen auch im Arzneimittelbereich bittere Realität werden!

Neue teure Behörden und zahlreiche Arzneimittelkontrolleure werden nötig werden, um zu kontrollieren, was nicht kontrollierbar ist: denn verdorbene Arzneimittel stinken nicht und man sieht ihnen nicht an, dass sie gefälscht oder wirkungslos sind.

Ein ideales "Betätigungsfeld" für Kriminelle!

Die Politik ist leider auf dem besten Weg die Weichen entsprechend zu stellen:

- Obwohl Experten warnen und auch 84% der Bürger dagegen stimmten ( Stern Umfrage / ZDF Umfrage), sieht die Politik im Preiswettbewerb der Apotheken das Allheilmittel um die Gesundheitskosten in den Griff zu kriegen. Völlig unsinnig, wenn man bedenkt, dass selbst die völlige Abschaffung aller öffentlichen Apotheken nur 2,6% der Gesundheitsausgaben oder 0,3% Kassenbeitrag einsparen würde!

- Das Ausfüllen von Medikamenten aus großen (Bonbon) - Dosen soll künftig erlaubt werden!

- Bisher als Müll entsorgte Medikamente sollen künftig erneut ausgegeben werden und ausgerechnet die Bewohner von Altenheimen und Hospizen sollen die Versuchskaninchen spielen!

- Einzelverblisterung von Arzneimitteln soll erlaubt werden. Bisher ist bei jeder Originalpackung anhand der Chargennummer lückenlos kontrollierbar, wo die Tabletten hergestellt wurden und welchen Weg die Packung genommen hat. Wird künftig das Umfüllen und Ausfüllen erlaubt, dann ist es der einzelnen Tablette nicht mehr anzusehen woher sie kommt. Skrupellose Geschäftemacher werden diese Möglichkeit gerne aufgreifen um Importware, Fälschungen, Arzneimüll, Grauware und Medikamentenspenden für die Dritte Welt als angebliche Originalware für gutes Geld neu in den Handel zu bringen. Diese Betrügereien werden wesentlich einfacher, denn Bescheinigungen und Zertifikate sind leichter und billiger zu fälschen als Originalpackungen!

Nachfolgend eine Meldung aus dem Fleischskandal, bei der wir das Wort "Lebensmittel" durch "Arzneimittel" ersetzt haben.
Hoffentlich kommt die Politik noch zur Einsicht, um uns vor solchen Schlagzeilen zu schützen:

08.09.2006 Berlin (RP)
In die Debatte um Mindestpreise für ARZNEImittel kommt Bewegung. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte der Rheinischen Post, dass ein Gesetz in Vorbereitung ist, das den Verkauf von ARZNEImitteln unter Einstandspreis verbietet. .... Hintergedanke: Preisdumping führe fast zwangsweise dazu, dass Qualitätsstandards unterlaufen werden, meinen die Fachminister. Auch im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot ist verabredet, einen ?ruinösen Preiskampf? im ARZNEImittelhandel zu unterbinden.

Auch im "Arzneimittelhandel" können qualitätsgeprüfte Wirkstoffe leicht durch minderwertige Wirkstoffe oder billige Füllstoffe ersetzt werden. Im unkontrollierbaren Internethandel ist dies leider bereits heute Realität. Die folgende Pressemeldung wäre dann ohne Probleme auch auf Arzneimittel anwendbar:

29.08.2006 © dpa
Konkurrenzkampf in Döner-Branche mindert Qualität. Der Preisdruck auf dem umkämpften Döner-Markt wirkt sich nach Expertenangaben nachteilig auf die Qualität des beliebten Drehfleisches aus. Schuld ist der harte Konkurrenzkampf zwischen den Bruzelbuden. Im Bundesdurchschnitt werde mehr als jeder zweite Döner Kebab von den Untersuchungsämtern beanstandet, teilte die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) in Bad Salzuflen mit. Meist liege der Hackfleischanteil zu hoch, mitunter werde aber auch billigeres Geflügelfleisch, teilweise mit viel Haut und ohne entsprechenden Hinweis verwendet. Auch pflanzliche Streckungsmittel oder der Zusatz von Wasser minderten die Qualität des "traditionell hochwertigen Fleischerzeugnisses", betonte der DLG-Experte Goetz Hildebrandt. Ursache sei der ruinöse Verdrängungswettbewerb in der Döner-Branche, erklärte Hildebrandt.

Weshalb ist es so schwer für die Politik aus Erfahrungen im Lebensmittelbereich zu lernen? Weshalb ist es für interessierte Kreise so einfach Politiker und Medien vor ihren Karren zu spannen, um die letzten gesetzlichen Hürden zu beseitigen, die uns NOCH vor diesen Gefahren schützen?

Müssen wir erst die Gesundheit unserer Bürger gefährden, müssen erst Todesfälle in den Schlagzeilen der Medien auftauchen, bevor man zur Einsicht kommt und versucht die "bösen Geister, die man rief" wieder einzufangen?

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